30.10.2006

Von krank nach Peru

So schon ein Weilchen ist es her seit dem ich mich zum letzten Mal zu einem Beitrag durchgerungen habe. Mittlerweile sind wir in Puno, auf der peruanischen Seite des Lago Titikaka.

Nach dem wir es geschafft haben der Krankheit und Cochabamba weitgehend den Ruecken zuzukehren haben wir zehn Tage im tollen La PAz verbracht.

La Paz ist nicht die Hauptstadt, aber der Regierungssitz von Bolivia.
La Paz liegt am Rande des Altiplano(=Hochebene) aber in einem Loch bzw. Tal. Man stelle sich vor eine 1,5Mio Stadt in einem Tal. An allen Haengen und ueberall wo gebaut werden kann, wird gebaut oder wurde gebaut. La Paz ist ein relativ anstregendes Klima weil, La Paz auf 3600metern zuhause ist.
Wir haben in einer leerstehenden Villa gewohnt, die farblich ganz in Rosa gehalten ist, so dass wir uns immer vorkamen wie in einem riesigen ueberdimensionierten Puppenhaus. Wir hatten das Haus ganz fuer uns (Claire und ich) alleine, jeder hatte sein eigenes Zimmer... Es war wie ein Zuhause haben, toll! (Wusste schon fast nicht mehr wie das ist)
Gekocht haben wir auf einer zweier Kochplatte die schon den Eltern von Rodrigo (ein Teilnehmer von Connectivity ueber den wir zu dieser Immobilie gekommen sind) in den 70ern gedient hat. Diese hat zuerst mal einen Kursschluss produziert, nach eigenhaendiger Reperatur haben wir nur noch mit isolierter Zange gekocht. Die Platten waren recht gemuetlich und wir hatten nur einen ueberschaubar grossen Topf, so dass wir uns jetzt sicher sind das Tueten- und Instantfutter ueberall gleich schmeckt. Ausserdem ist Avokado mit Salz auf Broetchen zu unserem Hauptnahrungsmittel geworden. Uebrigens in Boliven hat e s gutes Brot oder vielmehr Broetchen, manche erinnern fast an Ciabatta...

Ich habe dieses Land (Bolivien), in dem wir nicht einmal einen Monat waren echt moegen gelernt und werde zurueck kommen. Ich habe viel zuwenig gesehen und gelernt von Bolivien.

Allgemein merkt man hier in Suedamerika, das es gar nicht erschoepfbar ist hier zu reisen und neues zu entdecken. Das ich umso laenger ich hier bin merke, dass es immer mehr gibt was dafuer spricht irgendwann wenn die Moeglichkeit sich ergibt wieder einmal nach Suedamerika zurueckzukehren.

In den zehn Tagen in La Paz haben wir auch zwei Projekte besucht um einen Eindruck von dem zu bekommen was im Sozialen getan wird. Das eine Projekt war ein schreckliches Projekt gefuehrt von einer etwas herrschsuechtigen und hinterhaeltigen Oberschwester. Es war eine Einrichtung fuer Kinder von 1/2 bis zum Schulalter und es wirkte eher wie eine Aufbewahrungsanstalt als eine sinnvolle paedagogische Einrichtung obgleich der Platz und die Einrichtung das Potential fuer viel gute Arbeit geboten haette.
Das andere Projekt war eine Strassenkinderwohneinrichtung. Mit dem Ziel in familienaehnlichen Verhaeltnissen die Kindern in mehreren Stufen der Strasse zu entwoehnen und zu "resozialisieren". Obgleich es einen strafen und strengen Tagesablauf gibt (um den Kindern einen Halt zu geben), wirkte das Projekt schoener und freier als das Andere. DIe Kinder konnten spielen und sie hatten auch Raum dazu und man hatte den Eindruck das wirklich auf die Kinder eingegangen wird. Dies war eine schoene und ausgleichende Erfahrung zu dem ersten Projektbesuch.

Beeindruckt hat mich in La Paz das Gewussel. Der Autoverkehr, auf der Strasse sind beinahe nur Minibuse (etwas groesser als Vw-busse aber mit 14 Sitzen und wenig Beinfreiheit - ich bin zu gross fuer Bolivia), Taxis und Trufis (Taxis mit fester Route und Tarif). An Werkt agen ist die ganze Innenstadt verstopft mit Autos, es ist ein einziges Gehupe und Gehuste (wegen der Abgase). Alle diese Minibuse haben eine Person die dafuer sorgt das der Bus voll wird und jeder bezahlt. Diese Person haengt oft wie ein Marktschreier aus dem Fenster des Busses und plaert die Ziele dieses Minibuses in die Gegend. Es ist ein heilloses Chaos auf den Strassen, jeder schneidet den Anderen und wechselt nach Gutduenken die Spur. Hauptmittel ist die Hupe, dennoch habe ich hir nicht einen Einzigen Unfall gesehen. Ich habe den Eindruck das Chaos "funktioniert" besser als unsere europaeischen Ordnungen auf die wir uns viel zu oft zu blind verlassen.

Eine kurze Beschreibung will ich dem Strassenueberqueren widmen, es gibt verschiedene Moeglichkeiten:
a)Entweder man wartet ewig, bis sich mal eine grosse Luecke bildet oder tatsaechlich mal eine Ampel rot wird um dann gemuetlich die Strasse zu ueberqueren.
b) Man steht erst verzagt an der Strasse, wagt sich dann vor um sofort wieder zurueck zu weichen. Um entweder zu Methode a) ueberzugehen oder eine der folgenden zu nutzen.
c) Eine kleine Luecke abwarten und rennen so schnell es geht.
d) Spurweise vorarbeiten, und zwischen den fahrenden Autos zu warten bis die naechste Luecke auftaucht, die entweder Methode a) oder c) zulaesst. Bei d) ist jedoch mit Komplikationen zu rechnen da nicht immer viel Platz zwischen zwei Autos bleibt oder mit Spurwechsel der Autos zu rechnen ist.

Etwas das ich in Bolivien auch liebgewonnen habe ist das Handeln. Eine Realitaet ist das es in wenigen Bereichen nur so etwas wie Festpreise gibt. Natuerlich gibt es grosse Supermaerkte wo man sich brav an der Kasse verhaelt wie in Deutschland auch... Aber vieles kann man auf der Strasse kaufen. Und da sind die Preise meistens fuer Gringos etwas hoeher angesetzt.
Hier eine kleine Beschreibung des Handelns (die ich neulich in einer Email geschrieben habe: )
Werde wohl mir eine Haengematte kaufen, kann es nicht lassen. Und man kann mit denen handeln, wenn man es mal ein bisschen raus hat, macht das sogar spass. Man fragt erst, dann sagt man den Preis den man selber zahlen will. Darauf sind die Haendler natuerlich erstmal empoert, weichen gar nicht oder nur geringfuegig von ihrem Preis ab.
Oder sie sagen gleich, alla weil du es bist nicht so und soviel sondern nur so und soviel.Man bewegt sich so auf einander zu. Wenn sie nicht mitmachen, kann man auch so tun als sei man doch nicht interessiert, meistens schmeissen sie einem dann noch einen Preis hinterher, manchmal sogar den den man versucht hat... Heute haette ich zum Beispiel eine Haengematte fuer 85 statt 120 Bolivianos , also 8,5 eur statt 12 bekommen keonnen. Manchmal handelt man auch nur um rauszubekommen was geht. Nachtrag: ich habe eine Woche spaeter eine Haengematte fuer 8 Euro gekauft und habe jetzt mehr Gepaeck... Einen Tag haben wir regelrechtes P owershopping veranstaltet, auch im Auftrag, ein Packet musste dann erstmal seinen Weg gen Europa nehmen.

Am 27. sind wir frueh von La Paz zum Lago Titikaka gefahren. Mit dem Bus etwa drei Stunden. Das heisst erstmal war natuerlich wieder Handeln um Buspreise angesagt, fuer diesen drei Stunden Trip zahlen wir schliesslich zehn statt fuenfzehn Bolivianos, laecherliche Betraeg letzten Endes, aber man gewoehnt sich an die Preiskategorien und geht damit um.

Abgesehen davon das Copacabana sehr touristisch ist, ist es schoen. Nur leider sobald die Sonne weg ist auch total kalt weil es auch auf 3800 Metern liegt. Der Lago Titikaka, ist riesig um nicht zu sagen gigantisch. Wie ein Meer in den Bergen.
Gleichzeitig groesstes Gewaesser Suedamerikas, hoechster beschiffbarer See und groesster See ueber 2000m ueberhaupt...
Copacabana hat mich wieder mal so geschockt weil so viele Touristen auf einem Haufen sind und man das Gefuehl bekommt alles ist nur fu er die Touristen gemacht, zwar gab es auch in La Paz sehr viele Touristen aber es hat sich nicht so angestaut wie in einer kleinen Stadt wie Copacabana. Es wirkt alles so unaufrichtig, wenn man das Gefuehl bekommt alles sei nur fuer die Touristen. Es ist jene Sphaere die viele Pauschaltouristen wohl als einzigen Eindruck von einem Land mitbekommen duerften.

Was mich auch mal wieder irritiert hat, dass es viele Touristen gibt die ein Markierungsverhalten, wie Tiere die ein Revier markieren muessen, aufzeigen: Beispielsweise durch Sinnlose "Otto aus Ladia war hier am so und so vielten Tollen des Soundsojahres". Dies ist nicht nur sehr stoerend sondern zerstoert auch Orte die ursprunglich mehr als nur Touristenanlockerfunktionen hatten. Soviel zu nachhaltigem Tourismus...

Wir haben die Isla del Sol besucht, angeblich der Geburtsort der Sonne (nach Inkasage) besucht. Das was man als Eindruck bekommen konnte von dem was hier gelebt haben sol und gewesen sein soll war leider etwas aermlich. Allerdings war einfach die Insel als solche und die Wanderung ueber die Insel vom Nord- zum Suedende ueber viele Berge und Hoehen sehr beeindruckend und schoen. Und die Aussicht war wunderbar, obgleich es auch ziemlich kalt und windig war.

Natuerlich auch anstrengend, die Hoehe setzt, mir, uns, allen die es nicht gewoehnt sind doch ganz schoen zu. Es auessert sich in viel Schlafbeduerfnis (Minimum acht Stunden), manchmal Kopfschmerzen, Atemlosigkeit nach wenigen Minuten leichter Anstrengung und bei mir manchmal durch das Gefuehl wenig Luft zu bekommen.
Ein halbes Bier merke ich schon deutlich und zwei Cuba Libre geben mir den Rest...

Heute sind wir also von Bolivien nach Peru gefahren, etwa drei Stunden, nun also keine Bolivanos mehr sondern neue Sonnen (nuevo sol, peruanische Waehrung). Gestern sind wir in einem Umzug mit traditionellem Tanz und Musik geraten, ich fande mich auf einmal ein e Perufahne schwenkend in der Menge wieder. Nach dem ich diese Fahne erstmal in der Hand hatte bin ich sie fast nicht wieder losgeworden...
Somit bin ich mit dem Handlungsstrang am Ende der Erzaehlung angekommen,in Puno.

Zum Schluss noch ein Wort, was ist das Unzuverlaessigste was es gibt?
Mein Tipp Kindergeld...
So drehen sich gerade ziemlich viele Fragen um Finanzierung und wie weiter reisen.
Wenn jemand zufaellig einen Geldscheisser oder vergleichbaresrumstehen hat, kann er ihn ja mal bei mir vorbei schicken. Bei Bedarf kann ich auch eine genaue Adresse per Post oder eine Bankverbindung zukommen lassen... :-)


Gruesse in die Welt.
David

15.10.2006

Giardia intestinalis laesst gruessen

Wir sind noch immer in Cochabamba und wollten eigentlich schon seit Tagen in La Paz sein. Sind aber aufgrund Erkrankung an einem Magen-Darminfekt in Cochabamba haengen geblieben. Die Wesen, haben diesen tollen Namen Giardia intestinalis und gehoeren wohl zur Gruppe der Lambien. Man bekommt sie ueber verunreinigtes Wasser und da die Inkubationszeit eine bis zehn Wochen betraegt, ist es ziemlich schwer nachzuvollziehen woher wir dieses zweifelhafte Vergnuegen haben.
Wen diese Wesen interessieren: http://de.wikipedia.org/wiki/Lamblien
Wir verbingen alle viel Zeit auf dem Klo, was bei vier Personen mit diesem Verhalten zeitweise zu Komplikationen fuehrte... Das mieseste sind fuer mich die seit eineinhalb Wochen anhaltenden Bauchschmerzen. Mehr Details seien allen erspart.
Zur Reanimation unserer Selbste duerfen wir Antibiotika schlucken und ganz viel trinken. Es wird wohl leider noch einige Tage dauern bis wir los- bzw. weiterkommen.

10.10.2006

Berufswahl? und Fragen

Auszuege aus einer E-Mail die ich neulich auf Nachfrage verfasst habe:

Meine Plaene bezueglich Zukunft sind sehr in Bewegung um nicht zu sagen, ich weiss gerade mal wieder ueberhaupt nicht was ich will. Einige Ideen und Moeglichkeiten habe ich.

Eine eher Idee aus Interesse war, wenn ich wiederkomme ein Semester neue Geschichte zu studieren, in Hessen gibt es im Fruehjahr noch keine Studiengebuehren. Erst zum Winter...

Ansonsten gab es ja die Idee die Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher zu machen, deren theoretischer Teil, neun Blockwochen pro Jahr in Kirchheim/Teck bei Stuttgart stattfindet, und fuer dessen praktisachen Teil ich mir nur noch eine Ausbildungsstelle suchen muss, die allerdings ueberall liegen kann. Nur sollte es halt so sein, dass man zumindest fuer die Wochen ohne totale Probleme anreisen kann, zum Beispiel ueberall innerhalb Bawues. Ich habe Freiburg da schon noch im Blick, andererseits waere Stuttgartnaehe nett weil Josephine jetzt gerade eine Ausbildung zur Krankenschwester anfaengt in Boeblingen. Fuer den theoretischen Teil habe ich einen Ausbildungsplatz sicher fuer naechsten Herbst wenn ich will.

Dann ist mir gerade die Arbeit mit Behinderten wieder naeher, so dass ich sowohl nachdenke ueber ein Sonderschulstudium als auch ueber Heilerziehungspfleger...Allerdings ist es vom Jugend- und Heimerzieher recht einfach auch mit Behinderten zu arbeiten oder sich entsprechend weiterzubilden, falls es nur das sein soll. Weil ich habe so das Gefuehl wenn man mal auf Behinderte spezialisiert ist man sich sehr stark irgendwo eingenischt hat.

Mit der Ausbildung im sozialen Bereich gibt es dann viele Moeglichkeiten ein Studium im sozialen Bereich anzuschliessen. Dort braucht man ohnehin fuer vieles eine Ausbildung als Studienbedingung. Eine Idee ist Management im Sozialbereich...

Eine ganz andere Idee, Wirtschaft zu studieren. Allerdings nicht irgendwo, sondern auf der Alanus Kunsthochschule, die haben einen akkreditierten (schreibt man das so?) Wirtschaftstudiengang mit Kunstanteil und einem Studium Generale. Und das ganze ist praxisintegriert, dass heisst man arbeitet von Anfang an in Partnerunternehmen der Hochschule, das sind unteranderem Dm, Alnatura, aber auch ganz normale Unternehmen wie l`oreal die Shampoomarke etc... Ist nur leider mit 700 eus pro monat etwas teuer. Auch wenn man natuerlich durch das Arbeiten auch gleich was verdient.

Ich mag mich einfach gerade noch nicht mit der Tatsache anfreunden, mich fuer mein Studium bzw. Ausbildung voll verschulden zu muessen.

Geschlechtsorgan oder Bolivia, mal wieder ausfuehrlich und wie sich Plaene aendern koennen oder auch zurueck zu den Urspruengen...

Hola,
Ein seltsamer Betreff fuer (m)eine Rundmail, das mag sein. Doch bin ich diesem Wort in meinem spanisch-deutsch Woerterbuch sehr oft begegnet, weil es oben auf einer Seite steht und ich in letzter Zeit Woerter in der Region f, g und h nachgeschaut habe und jedes Mal ueber diese Seite gestolpert bin...
Nunja, das letzte Mal als ich einen ausfuehrlichen Beitrag und Rundmail angegangen habe, war ich in Salvador (da brauchte ich das Spanischwoeterbuch noch nicht). Ich war voll mit allgemeinen Fragen wie will ich reisen. Wie macht man das richtig wie falsch. Nun sind wir schon ein ganzes Stueckchen weiter, dabei sind die Fragen natuerlich nicht verschwunden. Sie begleiten mich staendig und durch viele E-Mails habe ich neue Anregungen bekommen und tolle Ermutigungen und Beschreibungen was den schon gereisten Personen diese Zeit bedeutet hat. Und ich habe sogar die Aufforderung erhalten doch zu all diesen Fragen ein Buchprojekt zu starten mit lauter Statements von schon Gereisten oder Reisenenden. Ich habe schon soviel Feedback allein nur durch meine E-Mail erhalten das da schon eine Menge Material dabei waere. Und es waren vielmehr unverkrampfte Antworten als wenn ich vielleicht eine Aufforderung fuer ein Buchprojekt geschrieben haette. Mal sehen. Schreibt mir weiterhin eure Gedanken zum Reisen, ich nehme sie mit auf meinen Weg. Ich werde natuerlich keinerlei E-Mailinhalte verwenden ohne zu fragen. Noch moege sich keiner nun in dem eingeschraenkt fuehlen was er mir schreiben mag und was nicht. Ich sehe es eher als Experiment, was alles entsteht in der Reisezeit.

Ein paar Feststellungen zu mir:

Ich merke oft wie anstregend das Reisen ist und wie schwer es gerade fuer mich ist, irgendwo im Nichts zu sein und auch nicht recht zu wissen was als Naechstes sein wird oder wo ich wie lange bleiben werde. Ich merke mal wieder wie sehr ich das Planerische mag und auch brauche, dieses Wissen um wo ich hinkomme, Was mich dort erwartet, Wie lange ich dort sein werde, aber auch was ich an Ort und Stelle Tun kann.

Ich merke das Reisen viel komplexer ist, als die Frage nach dem wie? (Das Wie - die Hauptfrage meiner letzten E-Mail - beinhaltet mehr die Frage nach dem Rahmen, zum Beispiel nach der Geschwindigkeit, den Stationen, den Verkehrsmitteln, des Reisebudgets was man bereit ist fuer Dinge aufzubringen…)

Ja da ist aber auch immer wieder die sehr persoenliche Frage nach dem Warum und dem Was.

Dies bezieht sich fuer mich auf die Fragen die ich habe, es ist immer auch die Frage nach den Gruenden. Diese Frage geht viel weiter und tiefer als das Wie. Das Wie ist mehr eine organisatorische Frage oder eine Frage des Geschmacks. Natuerlich ist die Frage des Warums nicht von der des Wies zu loesen. Jedoch ist das Warum mehr die Frage nach meiner ganz inneren Motivation. (Ich hoffe ich werde nicht zu allgemein in meinen Abhandlungen).

Was motviert mich zu reisen ?

Auch das ist keine einfache Frage. Sie oder vielmehr die Antwot ist so vielschichtig :

Natuerlich will ich etwas Neues kennenlernen. Will mich zeitweise oder auch ganz aus gewissen gewoehnten Rahmen loesen. Zu leben in Freiheit, zu tun und zu lassen was ich will.

Umso laenger ich ueber diese Antworten nachdenke, umso mehr muss ich sagen das es viele Illusionen sind. Vielleicht ist es einfacher zu tun und zu lassen was man will, wenn man einmal weit weg ist von dem was man als die alltaegliche Sphaere bezeichnen kann. Gerade ich, der ich durch haeufiges Umziehen mit Schulwechsel, schon hauefig das Erlebnis einer voellig neuen Umgebung erlebt hat, muss feststellen: Wir sind was wir sind. Mit unseren Schwaechen aber auch all unseren Potentialen. Oder deutlicher, ich bin ich!

Ein Wechsel der Umgebung oder dessen was ich tue, wird mich doch wieder "nur" mit mir selbst konfrontieren. Mit mir in all meinen Facetten. Natuerlich, ist es so, dass eine neue Umgebung mir einige neue Facetten meinerselbst spiegeln wird. Meine Umgebung wird mir aber auch immer wieder spiegeln was ich bin und was ich schon von mir weiss. Dies ist keinerlei negativ, auch wenn es mir leicht faellt es als negativ aufzufassen, weil ich fuer mich die Illusion aufrecht erhalte gewissen Dingen, persoenlichen Konflikten zum Beispiel durch einen neuen Kontext zu entgehen oder vielmehr ihnen entgehen zu koennen. Dies ist jedoch eine grosse Selbstluege mit der ich mich immer wieder gerade auch beim Reisen konfontiert sehe. Ich bin ich!

Fuer mich ist die grosse Herausforderung beim Reisen genau mit dieser Realitaet umzugehen. Mir zu sagen: Ich bin ich.

Die Konsequenz ist fuer mich: Was ich nicht tue in meinem alltaeglichen Leben werde ich auch an einem Platz, in einem anderen Kontext nicht tun oder sein.

Ich glaube das Wichtige und zugleich schwierige beim Reisen ist diese Bewusstseinsarbeit. Und wenn es nicht zu generalisieren ist, so mag dies zumindest fuer mich gelten.

Sicherlich kann ich immer und ueberall genug Dinge finden um mich von mir selber abzulenken. Vielleicht ist das Reisen eine gute Moeglichkeit, gerade in einem so riesigen Kontinent, all die potentiellen Wege und Lebensweisen zu erkennen. Aber eben auch die Moeglichkeit mit dieser zeitweisen inneren Leere und Weite konfrontiert zu werden, die imgrunde nichts anderes als meine Freiheit oder die Unfaehigkeit mit ihr (meiner Freiheit) umzugehen, darstellt.

Was ist also das Reisen, nichts anderes als eine weitere Etappe im Leben und somit voellig belanglos bzw. nicht wichtiger als andere?

Nein ich glaube nicht, das Reisen ist vielmehr die Moeglichkeit fuer mich, mich in einem offeneren Rahmen selbst neu kennenzulernen. Mir, mit Distanz zu Vielem was mir ortsgebunden wichtig ist, meiner und dessen Rolle bewusst zu werden.

Und vielleicht fuer viele Dinge aus der Distanz ein ganz neues Qualitaetsempfinden zu entwickeln.

Es ist manchmal ein bisschen wie durch ein farbliches Zoomobjektiv auf das eigene Ich und die eigene Lebensrealitaet zu schauen. Ich kann alles ganz nah oder ganz fern in einem neuen Licht sehen. Das Tolle fuer mich ist die Moeglichkeit diese Distanz einnehmen zu koennen, aber sie auch jeder Zeit aus eigenem Willen oder Interesse verringern zu koennen.

Einige haben an meiner letzten Rundmail kritisiert das sie nicht besonders persoenlich gewesen sei. Dazu moechte ich nur sagen, dass es fuer mich persoenlich ist ueber diese Gedanken zu schreiben. Vielleicht mag es Einigen missfallen das ich keine lebendigen Erlebnisberichte schreibe. Dies tue ich auch, nur ist mir nur dafuer oft die Zeit zu schade all diese Erlebnisse am Computer festzuhalten, da ich sie ohnehin handschriftlich festhalte und gerne nach Rueckkehr bei Interesse daran teilhaben lasse und erzaehlen werde. Fuer mich ist neben all diesen kleinen Erlebnisse die immer nur Beispiele fuer viele andere sein koennen, die Essenz des Reisens eben die Auseinandersetzung mit diesen Fragen. Ich hoffe und freue mich wieder ueber viele Reaktionen.

Es gruesst ganz herzlich.

David

... der sich seit etwa einer Woche in Bolivien befindet. Nachdem wir Freitag vor einer Woche in Irece, dem kleinen Ort in Brasilien wo wir beinahe zwei Wochen waren, aufgebrochen sind, waren wir beinahe eine Woche mit Bussen unterwegs, bis wir in Santa Cruz Dienstagnacht angekommen sind. Von dort aus sind wir vergangenen Freitag weiter nach Cochabamba gefahren ueber Nacht, von hier aus werden wir wohl Mittwoch Morgen, also Morgen weiter reisen nach La Paz.

Insgesamt sieht der Plan (nach einigem wiederholtem Hin und Her) so aus, dass Claire und Ich (wir werden uns zu meiner Freude hiermit wohl endgueltig aus unserer drei-Maedchen-ein-Junge-Reisegruppe loesen) langsam nach Lima hochreisen und dann Ende November oder Anfang Dezember, vielleicht auch etwas frueher in einem Megaakt mit Bus nach Buenos Aires durchziehen (etwa drei Tage Busfahrt). Ehe Claire und ich uns trennen, weil Claire zurueck nach Deutschland fliegt von Sao Paulo und ich noch etwa zwei Monate zum Bleiben und alleine Reisen haben werde.

Ansonsten sei noch allen zu sagen, dass ich es sehr geniesse nun im Spanischsprachigen angekommen zu sein und ich somit endlich daran anknuepfen kann, womit ich in Freiburg beim Spanisch lernen vor meiner Reise schon begonnen habe.

Fuer all die Anekdotenfreunde und alle die mehr lesen wollen, sei einmal mehr die Empfehlung ausgesprochen oefters mal auf meinem Blog unter www.dawide.de.tc vorbei zuschauen. Dort ist auch immer ersichtlich wo ich mich gerade aufhalte.

Fuer die jenigen die es interessiert, wo all diese Orte liegen und wie die Reiseroute aussieht, denen kann ich eine Karte zumailen.

Meldet euch weiterhin, ich freue mich ueber jede Mail und ich antworte auch wenn es manchmal ewas dauert.

Um zum werten Schluss all dieser Formulierungen zu kommen:

Herzliche Gratulation an all die, die es bis hierher im aufmerksamen Lesen geschafft haben!!


05.10.2006

Bolivia, Santa Cruz

Endlich sind wir in Bolivien,
dafuer haben wir die letzten vier Tage in diversen Busen verbracht.
Bald mehr, erstmal geht Santa Cruz kennenlernen vor.