08.11.2006

Peru und endlich in Lima

Schon wieder melde ich mich.
Ich versuche gerade etwas kurzphasiger immer mal wieder ein paar Eindruecke festzuhalten fuer alle.
Leider bin ich gerade zu faul eine Rundmail zu schreiben, bzw. fand das Geschriebene nicht rumschickenswert.
Zuletzt waren wir in Puno. Jetzt haben wir beinahe eine Woche in Cusco verbracht.
Puno hat uns gleich mit seiner Haesslichkeit ueberzeugt, so dass wir planmaessig nur eine Nacht geblieben sind und dann weiter nach Cusco gefahren sind.
Cusco ist eine schoene Stadt, sie gilt als die ehemalige Hauptstadt des Inkareiches (welches sich allerdings im 16.Jahrhundert mit dem Erscheinen der Spanier verabschiedet hat). Die Inkas nennen bzw. nannten Cusco auch Nabel der Welt.
Es ist schoen, mit alten Gebaueden und ganzen Strassenzuegen mit blaugestrichenen Fenstern und Tueren. Zugleich ist es wohl eines der Zentren des Tourismus ueberhaupt.
Das wirkt ein bisschen erschlagend. Und ich habe auch feststellen muessen das Cusco ein Fassadenstaedtchen ist, die Innenstadt ist nach aussen wahnsinnig schoen und ordentlich aufgemacht, doch sobald man aus einem rueckwaertigen Fenster schaut sieht man all das Kaputte, Chaotische usw.
Freitag waren wir auf dem Machu Pichu, irgendwie hat das ganze Inkagetue und die Ruinen schon was beeindruckendes, doch durch diesen Massentourismus hat es fuer mich ziemlich an Wirkung verloren und wirkte irgendwie platt. Es irritiert schlichtweg auch wenn ein Fuehrer in jedem zweiten bis dritten Wort den Begriff "Inka" verwendet, um zu ueberzeugen wie sehr Inka alles ist. Fuer mich hat dadurch viel schoenes und sicherlich auch interessantes einfach an Wirkung und Interesse verloren. Vielleicht weil ich gerne dazu neige, mich eher abgestossen zu fuehlen wenn etwas fuer die Massen ist und auch von den Massen willig besucht oder gemacht wird.
Und was hier einfach auch war, manchmal vermiessen Einem die Preise einfach auch den Spass an den Dingen. Die Zugfahrt zum Machu Pichu hat (120km je Strecke) 68 Dollar fuer Hin und Rueck gekostet, der Bus nochmal 12 Dollar und der Eintritt auch nochmal 15 bis 20 Dollar gekostet.... Und den ganzen Tag hat es geregnet.
Wenn gleich wir auch festgestellt haben das Nebel und Regen sehr gut zum Ort Machu Pichu passt hat es uns doch nicht recht gefallen so total nass zu werden - auch meine Kamera haette sich besseres Wetter gewuenscht. Durch meinen Studiausweis ist alles wenigstens etwas guenstiger.
Am vergangenen Donnerstag skypte mich auf einmal Borbeth an, sie - Arno und Borbeth - seien jetzt in Cusco. Die Freude war gross, wir haben uns zuletzt in Salvador auf der anderen Seite des Kontinents gesehen und verabschiedet. Bis wir am gestrigen Montagnachmittag endlich nach Limaaufgebrochen sind, haben wir die Tage mit in Cafes sitzen und uns ausfuehrlich unterhalten, Kochen in der Hostalkueche und vergleichbar schoenen Dingen verbracht. Es hat gut getan wieder einmal bekannte Gesichter zu sehen und sich ueber die Reiseerfahrungen austauschen zu koennen. Zumal ich Arnó und Borbeth schon zufaellig am frankfurter Flughafen getroffen habe und mit ihnen zusammen nach Suedamerika geflogen bin,damals wollten sie zuerst in den Sueden reisen - waehrend ich die Gegenrichtung vorzog so das wir nicht erwarteten uns zu treffen... Und da sag noch Jemand Suedamerika sei gross...
Gestern haben wir uns dann in einem Luxusbus von Cusaco geloest und sind nach Lima gestartet. Beeindruckend war zum Einen die andauernde Fahrt durch wuestenaehnliche Sandgegenden, zweitens der Anblick des Pazifiks und damit die Gewissenheit den Kontinent einmal durchquert zu haben und drittens mit Lima den (auf der Landkarte hoechsten Punkt unserer Planung erreicht zu haben). Natuerlich hat sich diese Faszination schnell mit der Tatsache des Daseins und damit mit den Anforderungen organisatorischer Dinge (Schlafplatz, Wie komme ich da hin und vorallem wie mache ich dem Taxifahrer sehr deutlich das er ein uebler Halsabschneider ist und ich seinen Preis nicht zahle) verbinden bzw.abfinden muessen.
Zuletzt muss ich eingestehen das ich schon ein bisschen reisesuechtig bin, d.h. erst wenn der Bus faehrt und ich bewegt werde (man koennte auch poetischer sagen "und ich in Bewegung bin", aber das stimmt waehrend der Busfahrten ja ueberwiegend nur innerlich). Schoen wenn die Landschaft an mir vorbeirauscht und ich merke wie unterschiedlich Suedamerika doch landschaftlich ist.
Nun zuerst werden wir wohl bis zum 21. November in Lima bleiben.
Heute habe ich mich seit langem mal wieder auf ein Fahrrad schwingen koennen (wie ich das seit Freiburg vermisst habe) und nicht mich bewegen lassen sondern mich selber bewegen. Natuerlich ist leider Lima nicht so das nettese Fahrradpflaster: hohe Bordsteine und gefaehrlichgefaehrliche Autofahrer und Autoabgase zum drinn Nichtmehrgesehenwerden.
Es gruesst euch bester Dinge
aus der Ferne
David