Bs As, so kuerzt man hier die Stadt gerne ab.
Seit dem 24. November 23:30 Ortszeit (heisst seit Winterzeit in Europa vier Stunden Differenz) bin ich jetzt schon hier.
Zuerst haben wir einige Tage im Hostal Abasto, einer Mischung aus Kuenstlerwohnung, Sifferwohnung, Wg und Hostal gewohnt. Hier waren irgendwie schon alle einmal die ich kenne und die hier waren. Die ersten Tage haben wir ruhig angegangen.
Am Mittwoch den 29.November habe ich mich nach drei Monaten gemeinsamen Reisens von Claire verabschiedet, die nach Sao Paulo zurueckkehrt ist, ehe sie vor Weihnachten nach Deutschland zurueckkehrt.
Somit hat fuer mich ein neuer und zugleich auch letzter Abschnitt meiner Reise begonnen, ein zweimonatiger letzter Abschnitt den ich ganz allein beschreiten kann.
Schnell war fuer mich klar, dass wenn ich es finanziell realisieren kann, solange wie moeglich einfach nur in Buenos Aires bleiben will.Das heisst das ich nach dem Klaeren der Geldfragen und wiederholtem Kindergeldhin und -her beschlossen habe den Dezember auf jeden Fall in Buenos Aires zu bleiben.
Daraufhin habe ich ganz viele Menschen im Hospitalityclub angeschrieben und wohne nun seit einiger Zeit bei Hospitalityleuten. Ich geniesse es sehr und es ist spannender als in einem Hostal.
Ich habe angefangen Spanischstunden zu nehmen, will noch ein bisschen Tango lernen, ich fotografiere sehr viel, streife mit Zeit durch die Stadt, lasse mich bewegen von dem was sich mir bietet. Mal bin ich Beobachtender und Fotograf, mal ganz Teil dessen. Ganz viel Strassenmusiker und Kuenstler findet man an jeder Ecke... Die Einen mitnehmen in die Welt der Musik und des Tanzes.
Durch den Hospitalityclub und die Kontakte die ich schon hatte durch die Connectivity Konferenz, habe ich mittlerweile einige Menschen hier.
Sehr ausfuehrlich kann man hier auch nachts unterwegs sein. Weggehen bis sechs oder acht Uhr morgens hat durchaus Kultur.
Meistens scheint die Sonne, das gilt fuer mein Befinden als auch fuer das Wetter.
Ich sehe hier viel Tango, war einige Male auf Milongas (Tangotanzveranstaltungen) wobei ich da nur Zuschauer bin..., aber auch das ist sehr schoen. Es ist wahnsinnig beeindruckend wie sehr der Tango hier noch lebt und praktixierter Teil der Kultur ist.
Zufaellig habe ich vorgestern auf der Strasse zwei Tangotaenzer wiedergetroffen die ich von Connectivity schon kannte, hatte einige Tage zuvor gedacht das ich Ben mal anschreiben will damit ich den Kontakt von ihnen bekomme. Und dann treffe ich sie prompt in der Strasse wo sie seit langem zum Ersten Mal wieder aufgetreten sind. Den Rest des Tanges verbrachten wir gemeinsam und ich werde sie in den naechsten Tagen wohl nochmal treffen.
Auch Vorgestern habe ich mich mit einem alten Herren getroffen, der Deutscher ist aber schon sehr lange hier lebt und er hat mit mir eine sehr interessante historische Stadtfuehrung gemacht und mir viel ueber die soziale Wirklichkeit Argentiniens erzaehlen koennen.
Meinen Bart habe ich mir abgeschnitten.
Bs As ist sehr europaeisch, dennoch hat es auch noch einige sehr suedamerikanische Sprenkel. Es war ein bisschen ein Schock als ich aus Lima was doch sehr typisch und klar in Suedamerika ist nach Buenos Aires gekommen bin.
Dennoch hat Bs As viel Flair. Und ist eine der wenigen grossen Staedte die ich als schoen bezeichne.
Nachts sieht man meistens die Sterne, beeindruckend fuer eine Stadt die immerhin 7 Mio Menschen beherbergt.
Letzte Woche war ich im Malba (Museo de Arte Lateinamerico de Buenos Aires), einem Museum fuer moderne Kunst - zufaellig war dort eine deutsche Ausstellung ueber oder zu Fluxus. Ein bisschen Beuys, ein bisschen Dada, eine Tonbandaufzeichnung von Beuys jajajajaneeneeneenee und andere Instalationen und interaktive Kunstwerke.
Nebenbei ein originales Frida Kahlo Selbstbildnis.
In den letzten Wochen war ich einige Male mit einer Deutschen, einem Italiener und einem Brasilianer unterwegs, eine sehr internationale Gruppe und immer haben wir eine Mischung aus Spanisch und Portugiesisch gesprochen, denn der Brasilianer hatte offensichtlich Probleme spanisch und portugiesisch auseinander zu sortieren - schoen das es nicht nur mir so ging...
Buenos Aires ist eine sehr gruene Stadt, alle Strassenzuege sind gesaeumt von Baeumen.
An vielen Orten liegt viel Muell auf der Strasse. }
Bs As ist voll von Gegensaetzen, auch wenn man die Armut nicht so klar sehen kann wie in Peru oder Bolivien, so ist sie doch prasent und klar vorhanden. Nur ist sie, was mich auch an Europa erinnert, verdeckter und nicht so offensiv.
...Und wer einmal Strassenkindern auf der Strasse bewusst begegnet ist, trifft sie immer und ueberall wieder und ich kann sie nicht mehr bewusstseintlich nicht wahrnehmen.
Dieses stumpfe, Typische spricht mich sehr deutlich an, nach dem ich es in Lima etwas kennengelernt habe.
Gestern habe ich mit einem jungen Paaerchen unterhalten, die leben davon das sie tagein und tagaus am Plaza de Mayo (einem wichtigen Platz mit Regierungsgebaeuden) sitzen und Mais verkaufen das andere Leute damit die Tauben fuettern koennen. Gestern haben sie jeder 5 Pessos (1,25 Euro) verdient, an guten Tagen sind es vielleicht zehn fuer jeden. Ich habe mich wenn gleich es schwer war sie zu verstehen, ein wenig mit ihnen angefreundet. Ich bin ihnen begegnet weil sie regelrecht bestueckt war mit Tauben die sie gefuettert hat und ich mit meinem Schwarz-weiss-Film einige schoene Fotos machen konnte.
Das ist es was ich gerade mag am Hier sein, verweilen wenn es mir gefaellt. Mit den Menschen reden die mir begegnen.
Sehr mag ich es hier, Menschen mit so unterschiedlicher sozialer Realitaet zu begegnen und davon zu erfahren. Nicht im voyouristischen Interesse, vielmehr aus der tiefen Motivation ein grosses Spektrum sozialer Wirklichkeiten wahrzunehmen und mir selber sehr bewusst zu werden wo ich stehe. Und was fuer ein Luxus das ist was ich hier tun kann und auch wie wertvoll es auch deswegen ist.
Seit Gestern wohne ich bei einer Familie deren Grosseltern zum Teil Deutsche waren, dadurch spricht die ganze Familie etwas deutsch, habe ich nicht gewusst bevor ich ankam. Witzig war das die Kinder (drei etwa in meinem Alter) die ersten Jahre in eine deutschsprachige Schule gegangen sind und deswegen ganz viele deutsche Lieder kennen, von Haenschen klein bis zu Hoppe hoppereiter...
Spannend war immer mal wieder mit einer Deutschen unterwegs zu sein, Romy, weil sie erst seit zweieinhalb Wochen in Suedamerika und somit auch in Buenos Aires ist. Sie bemerkt staendig wie dreckig, laut oder krass Buenos Aires ist. Fuer mich ist es eher oft das Gegenteil, dass ich finde das es im Vergleich zu den anderen suedamerikanischen Staedten sehr wohlgeordnet und sauber - eben europaeisch - ist.
Oefters denke ich, das ich gar nicht mehr weiss wie etwas in Europa ist wenn es mir hier auffaellt. Und das ich mir erstmal wenn ich zurueckkehre klar werden muss darueber wie Euopa eigentlich ist.
Schoene Frauen kann man hier auch treffen.
Lecker ist hier auch Dulce de Leche, eine Art Karamelcreme, die man entweder auf Brot isst oder in kleinen suessen Gebaeckstueckchen (Facturas) vorfindet.
Erstes Anzeichen fuer Weihnachten war hier, ein Schaufenster voll mit nackten Schaufensterpuppen, dafuer mit Weihnachtsmannmuetzen...
Alles andere ist nicht besonders weihnachtlich bis auf gelegentliche Weihnachtsdeko, in Kaufhaeusern.
Kulinarisch gesehen ist Bs As ganz weit oben, Kaffeekultur und guten Wein, viel Musik, warmes Wetter... und auch das Bier kann man trinken.
Ganz viel Jugendstilarchitektur, soviel das ich sie schon fast nicht mehr wahrnehme.
Allerdings merke ich hier auch sehr genau, welche Bereiche touristisch und schoen sind und welche nicht. Es gibt eine Strasse die durch die ganze Stadt verlaeuft, die Rivadavia, sie teilt die Stadt praktisch (nach Strassennamen) und faktisch weil der eine Teil reicher und schoener und der andere aermer und reine Wohngebiete sind, in zwei Teile.
Nach zwei Wochen habe ich bemerkt das ich mich beinahe nur in Ersterem bewegt habe. Fuer die Fotografie werde ich mich wohl noch mehr in die Grenz- bzw. Uebergangsbereiche bewegen, weil mich diese Uebergaenge und teils auch Gegensaetze faszinieren.
Einen Traum, zumindest einen kleinen habe ich mir erfuellt in dem ich mir ein Diabolo gekauft habe (wollte ich eigentlich vor dem Losreisen schon habe es aber nicht mehr geschafft) und jetzt damit in den Parks uebe.
Die Parks sind beinahe ueberall, oft Hundescheisse durchtraenkt - aber das sind auch die Strassen, aber die Parks sind vorallem auch die Herzen der Stadt. Hier treffen sich die Menschen, es gibt viele Staende, Kuenstler, Artisten, Musiker. Immer ist etwas los.
Wenn sich die Menschen in einem nicht zwingend kommerziellen und nicht privaten Rahmen begegnen dann hier.
Soweit meine erste Etappe von Eindruecken zu Buenos Aires, ich hoffe es war spannend zu lesen. Bald kommt auch noch der Bericht nach ueber Lima und die Busreise von Lima nach Buenos Aires, 3,5 Tage und 4000km durch Suedamerika, einmal vom Pazifik zum Atlantik an einem Stueck...
Es gruesst euch
und sendet alles Liebe
und Waerme, ein paar Grad weniger hier und es waere immer noch warm genug. Oder besser im Sinne des Klimas innere Waerme damit nicht noch mehr durcheinander kommt.
Abrazos (Umarmung) an alle die eine gebrauchen koennen
David