25.09.2007

Die Welt als ein Geschenk oder Trampererfahrungen

Heute begab es sich, das ich nach einem Kurzaufenthalt in Hamburg, für das Nachtreffen des Lima Workcamps welches ich mit Claire organisiert habe und einem Besuch bei Lena Vollmer (einer guten Freundin durch das Workcamp in Sao Paulo und gemeinsamen Aufenthalten in Buenos Aires), zurücktrampte nach Kassel.

Ich stand an einer Auffahrt zur Autobahn, die Situation war eindeutig von der Richtung - was aus Städten raus ja nicht immer ganz einfach ist. Ich stand sicher und nicht vom Verkehr gefährdet. Die Herbstsonne des Nordens schien mir ins Gesicht und ins Herz. Nur zum Anhalten war die Stelle etwas blöd...

...So begab es sich das Ich eine halbe Stunde wartete eh ein Auto hielt. Eine solche Wartezeit erlebe ich immer voller Spannung. In mir analysiere ich den Ort, mein Aussehen, beobachte so gut es geht die einzelnen Fahrer und versuche jeden Einzeln zu sehen. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen an einer zweispurigen Auffahrt.
Ich mache mir so meine üblichen Trampergedanken und dann kommt ein Mensch in einem Auto. Er hält. Das Nummernschild sticht mir ins Auge "KS" - Kassel. Glückstreffer, tatsächlich fährt er direkt nach Kassel. Meine Freude ist groß.
Ich denke wieder einmal, manchmal braucht es eine Weile bis der Richtige Mensch kommt. Sollen wir uns begegnen?
Es verläuft nun unkomplizierter als eine Mitfahrgelegenheit und ist menschlich interessanter.
Weil mein Fahrer tatsächlich Interesse hat sich mit mir zu unterhalten. Ein Armenier, der seit fünf Monaten deutsch lernt. Ich genieße das Jonglieren der Sprachen. Deutsch, Englisch, Intuition und ein paar Worte Russisch. Mein Spanisch und meine paar Brocken Portugiesisch helfen mir diesmal nicht weiter.
Wir unterhalten uns sehr nett, über unsere Herkunft, Musik und Kultur.
Es ist ein Ringen um die Worte und gleichzeitig sind sie gar nicht wichtig.

Eine spannende Situation folgt, ich muss aufs Klo. Allein diesen Sachverhalt zu klären dauert einen Moment. Gewohnt misstrauisch ("Südamerika sei Dank") nehme ich meinen Rucksack, in dem mein Laptop und Technik-Equipment ist, mit aufs Klo. Als ich zurück kehre, lädt er mich noch auf einen Kaffee und einen teuren Raststättensandwich ein. Nach einem Versuch des Ablehnens, genieße ich doch meinen Sandwich, der überraschend lecker ist und fühle mich ein bisschen doof. Vom Guten der Welt auf der Überholspur überholt.
- Ich bin misstrauisch und werde dafür reich eingeladen.
Nach drei interessanten Stunden sind wir schon in Kassel - schneller wäre es anders auch nicht gegangen.
Wieder einmal denke ich mir, dass Trampen und Offenheit doch eigentlich die besten Mittel zum Reisen sind.

Wie soll sich die Welt begegnen wenn nicht in solchen Begegnungen?

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