11.01.2008

Materie und Inventur

Material. Stoff.

Ich arbeite im Januar einige Mal und mache mit zwei meiner Mitbewohner in verschiedenen Hellwegbaumärkten im Pott Inventur.

Das ist krass. Diese Woche haben wir vier Tage hintereinander Inventur gemacht. In Dortmund, Hagen, Wuppertal, Iserlohn. Zu früher Morgenstunde einen Bus bestiegen und an den entsprechenden Ort gekarrt.

Jeden Tag wollen Tausende Artikel gezählt werden. Soviel Material. Stoff. Erde rinnt durch meine Hände. Es ist ein Strom. Ein künstlicher Strom. Ein Warenstrom. Ein sich bei jeder Inventur wiederholender Strom. Du zählst und zählst, merkst oft gar nicht mehr genau was. Du wirst ganz verdreht. Soviel Materie kann dein Geist gar nicht fassen. Abends müde und total verströmt. Die Bedingungen sind nicht gut.

Ich träume von Jobben wo ich bei einer solchen Arbeit pauschal bezahlt werde und gehen darf wenn ich fertig bin.

Ich merke mir widerstrebt, dieses Arbeiten als anonyme Masse, dirigiert durch Menschen hinter Listen. Es ist kaum ein lebendes Miteinander. Zählen, tippen und reden schließen sich aus. Der Kopf schafft es nicht. Kleine Teile wollen gesehen und gezählt werden. Viele Teile. 287 Schrauben, 9 Stück Autopolierwatte, 9 Regalbödenelemente, 7 Autoshampoo, 25 verschiedene Arten von Klebestoffen, Regal 47, Feld 201. Scannen am Feldanfang. Quittierendes Piepen. Los gehts.

Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren. Scannen, zählen, tippen, quitieren... Das reicht euch schon? Den ganzen Tag Scannen, zählen, tippen, quitieren.

Doch manchmal scannen. scannen. Scannen. Nix passiert. Dann schauen, tippen, schauen, tippen, schauen und tippen, zählen, quitieren....

Die Welt vergeht zwischen Zahlen und Codestreifen. Manchmal ist es schwer, lang, du hältst die ganze Welt auf deinen Schultern. Oft vergeht die Welt wie im Dämmer. ...und du scannst, zählst, tippst und quitierst. Machst eine Pause, ignorierst das Gemecker der Anderen, isst dein Essen, machst weiter. Unglaublich wie banal ein Tag sein kann. Für viele Menschen sind solche oder ähnliche Banalitäten das was sie ihren Beruf schimpfen.
Ich kann mich darin nicht sehen, will mich da nicht sehen. Klingt es arrogant? So ist es nicht gedacht.

Es kommt kein Gefühl auf wie wir rocken das zusammen. Nur ein ok wir machen das. Und viel Gemecker. Nur bei gemeinsamen Zählaktionen wenn am Ende noch was fehlt merke ich diesen Geist, des Zusammen, des Wir machen das und wir sind dann gut, schnell, schaffen was und haben Spaß. Doch danach kommt die Bremse, 50 Leute hängen rum und zehn werden noch beschäftigt. Zu anonym organisiert als das sich jeder so einbringen könnte, das Einzelmenschen zu einer Beschleunigung und Beendigung des Ganzen aus Eigeninitiative beitragen könnten.
Zu abstrakt die Entscheidung über deine Lebenszeit bis zum Feierabend.

Gleichzeitig mit einem Querschnitt der Gesellschaft zusammen arbeiten, wo es Jemandem schon mal daran mangelt befähigt zu sein systematisch ein Regal von links oben nach rechts unten aufzunehmen. Erschreckend gleichzeitig auch wie gut ich so systematisch funktionieren kann. Einfach links oben anfangen und rechts unten aufhören.

Den ganzen Tag arbeite ich mit dem Ansporn wenn ich nicht so langsam bin komme ich vielleicht früher nach Hause. Gleichzeitig ist dies leider jeden Tag wieder eine Rechnung die nicht aufgeht.

Demnächst doch wieder Hüte?
Da sehe ich wenigstens den Menschen der mir direkt gegenüber steht.

Tja, was ich / man(?) für Geld noch so alles mache / macht.


Und gleichzeitig natürlich jammern auf hohem Niveau!?

Scannen am Feldende.
(Auf zum Nächsten)

Wie im Leben?

3 Kommentare:

  1. Hey Datzel.
    Ich will Dir nur ein wenig Solidarität bekunden :)
    Sag Dir nur mal tröstend, dass ich den Scheiss auch schon hinter mir habe.Man kommt durch und ist eben ein Stückchen reicher.(?)Ich frage mich immer wieder ob man wirklich alles für Geld tun sollte oder ob man ganz klar aufhören sollte diese Arbeiten überhaupt noch zu denken und diese somit ganz aus seinem Leben zu verbannen.
    We are all whores to money hey?
    Kopf hoch ich denke auch über Fließband nach:Mein Mitgefühl ist Dir gewiss.
    Umärmel
    Sarah

    AntwortenLöschen
  2. Wenn Du diese Arbeit nicht verrichtet hättest, wüßtest Du nicht noch besser andere Arbeiten wert zu schätzen. Also geniesse es und denke um beim Arbeiten, dann musst Du auch nciht mehr meckern. Sei froh, dass Du die Erfahrung gemacht hattest! Ich weiß, wovon Du sprichst, es ist amok, aber auch positif.
    Hug, Mina

    AntwortenLöschen
  3. Erinnerungen an Fließbandarbeit. Wenn die Kreativität fehlt wird jede Handlung zur Qual. Monotonie ist Abnutzung des Geistes und Körpers.

    AntwortenLöschen